Fragen an

Fragen an Mario Lubrich

Der Heidelberger Mario Lubrich ist Fotograf aus Leidenschaft. Dabei stechen besonders Digital Art Fotografien und auch die Inszenierungen des nackten Körpers heraus. Was Lubrichs Bilder auszeichnet, wird schnell klar: Geladene Atmosphäre, reduzierte Farbigkeit und ein intensives Spiel von Hell und Dunkel.

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Lensarmy hat den Heidelberger für Euch hinter seiner Linse hervorgeholt und mit einigen Fragen gelöchert.

1. Wie kamst Du zur Fotografie?

Das begann in der Phase, in der Eltern ihren Kindern irgendwas in die Hand geben, um zu sehen, ob es dafür vielleicht begabt ist. Wie sich herausstellte, hielt es sich mit meiner Begabung in Grenzen, doch ich mochte die kompakte Pocketfilm-Kamera, die ich von meiner Mutter bekommen hatte. Das Fotografieren faszinierte mich und nach jahrelangem Sparen kaufte ich mir eine analoge Spiegelreflexkamera. Ab da sah ich die Welt anders als zuvor.

2. Welches Equipment benutzt Du hauptsächlich?

Sie ist wahnwitzig, aber ich liebe meine Nikon D800 – extrem zuverlässig, hart im Nehmen, tolles Bedienkonzept. Ich mag den natürlichen Look, darum verwende ich derzeit fast ausschließlich ein 50mm F1.8 – die Festbrennweite hat außerdem den Vorteil, dass man als Fotograf mehr arbeiten muss, statt einfach irgendwohin zu zoomen. Da meine Kamera noch nicht mit meiner Hand verwachsen ist, schnalle ich sie mir an einen Tragegurt von Carry Speed. Im Studio schließlich stehen ein Hintergrundsystem, zwei Blitzgeräte, Softboxen und Kleinkram.

3. Wie würdest Du deinen eigenen Stil in drei Worten beschreiben?

Künstlerisch, minimalistisch, manchmalverstecktprovokant.

4. Gibt es Künstler, zu denen Du aufblickst oder die Du als Vorbild siehst?

Es gibt unglaublich viele talentierte Fotografen da draußen, deren Arbeiten ich mag. Aber eigentlich keinen, den ich als Vorbild sehe, denn will niemandem nacheifern, sondern meine eigenen Ideen entwerfen. Wer mir trotzdem immer wieder einfällt, ist Rankin. Ich liebe seinen Stil: ungezügelte Kreativität, glasklare Gestaltung.

5. Was inspiriert Dich?

Meistens das, was ich nicht sehe. Ein Gefühl zum Beispiel, Musik oder eine Stimmung. Ich will ständig etwas Neues machen, Wiederholung langweilt mich schnell. Wenn ich eine interessante fotografische Technik sehe, überlege ich, was ich damit erzählen könnte. Wenn ich Einsamkeit spüre, überlege ich, wie ich sie darstellen könnte.

Künstlerische Arbeiten entstehen oft sogar nur in meinem Kopf. Ich sehe ein unbearbeitetes Modelfoto vor mir und überlege, welches winzige Detail ich anstoßen könnte, damit ein Motiv lebendig wird.

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6. Was ist Dein Lieblingsfoto im Portfolio? Und warum?

Hm, echt schwer. Vermutlich ist es “puppet portraits I – aware” (http://goo.gl/aR7QRh) Es verkörpert im Motiv und der Entstehung etwas, das mich an der Fotografie reizt: natürliche Perfektion. Dem Model wurde nicht per Photoshop “nachgeholfen”, insofern ist es eine reine Fotografie, die einfach nur einen Menschen zeigt. Aber die Beleuchtung am Set, das Make-Up und das Entwickeln waren von Detailversessenheit getrieben und haben viel Arbeit gekostet.

7. Hast Du einen Tipp (für Anfänger)?

Ich schreibe ja viel über die Fotografie in meinem Blog; Tutorials und so weiter. Da ist alles mögliche dabei – von allgemein bis ganz speziell – denn Tipps kann man immer gebrauchen. Der wichtigste aber ist universell: “Bleib hungrig!” Die Fotografie wird dir immer Spaß machen und dich etwas Neues lehren, solange du nie satt wirst.

8. Analog oder digital?

Digital. Mit analogen Kameras habe ich gelernt, zu fotografieren und würde das auch jedem ernsthaft interessierten empfehlen. Mit dem Umstieg auf digitale Geräte habe ich zwar sehr lang gewartet, doch der wirtschaftliche Vorteil überwog schließlich (ich habe früher fast kiloweise Film verschossen) und als die DSLRs den analogen die Stirn bieten konnten, stieg ich ein. Den LCD meiner Kamera benutze ich immer noch nicht aber ich mag es, dass ich die Negative heutzutage ohne Chemikalien im Hellen entwickeln kann.

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9. Was begeistert Dich am Fotografieren?

Ich habe alles versucht, aber ich bin kunsthandwerklich nahezu unbegabt. Aber ich kann eine Kamera richtig herum halten und
nutze diese Fähigkeit, um zu erschaffen. Ich möchte Flüchtiges bannen, Ungesehenes zeigen und Gefühle anregen.

10. Welches Motiv fehlt noch in Deinem Portfolio?

Jedes einzelne Motiv, das ich noch nicht eingefangen habe – ich will sie alle! Ein Selfie auf dem Himalaya wäre auch okay.

11. Welcher Fotospot hat Dich am meisten fasziniert?

Der Gipfel eines Bergs im Schweizer Tessin. Ich habe stundenlang mit seiner Flanke gekämpft, um viel zu viel Ausrüstung auf knapp dreieinhalb Tausend Meter Höhe zu schaffen. Die Welt dort oben ist eine ganz andere – erhaben und zeitlos. Es gibt höhere Berge, doch das erste Mal im Angesicht des Sonnenuntergangs von oben auf die Wolken zu schauen hat mich sehr gerührt.

12. Du arbeitest nicht mit professionellen Models, richtig? Ist das eine Einstellungssache?  

Ja und nein. Ich habe auch schon mit professionellen Models gearbeitet, aber das erfordert unter Umständen viel Planung, die richtige Zeit und Geld. Da ich meist private Projekte habe, lohnt sich das Organisieren selten, aber Profimodels helfen bei der Arbeit. Sie verstehen, was du willst, bewegen sich richtig und wissen, wie sie wirken. Und ihre Partner sind weniger oft eifersüchtig.

Die Arbeit mit Amateurmodels ist aber entspannter und oft auch spaßiger. Man kann leichter etwas organisieren und ist das Vertrauen erstmal hergestellt, haben die Models Spaß daran, etwas besonderes zu machen. Und es ist schön zu sehen, wenn sie total stolz auf ihre eigenen Fotos sind.

 

 

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