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digikam – Das OpenSource Lightroom

Mittlerweile hat es sich rum gesprochen, dass es zu jedem kommerziellen Tool fast immer ein OpenSource Ableger gibt, welches entweder fast genau dasselbe erledigt oder sogar in einigen Punkten besser die Aufgaben übernimmt. So auch bei dem Ableger zu Adobe Lightroom, nämlich Digikam. Digikam ist ein Foto-Management Tool, welches Plattformübergreifend unter Windows, Linux und MacOS eingesetzt werden kann. Man kann damit seine Fotos nicht nur sortieren und in einem Katalog ablegen und hier managen, sondern auch im Gesamten bearbeiten. Wenn man also z.B. einen Geburtstag oder eine Feier fotografiert hat, mehrere hunderte von Bildern entstanden sind, das Ganze mit einem bestimmten Objektiv, man weiß, das bei allen Bildern ein gewisser Look angewendet werden soll, etc. dann kann man das auf ALLE Bilder aus dieser Serie gemeinsam anwenden. Ebenso kann man seine Bilder im RAW Format importieren, bearbeiten und dann für das Internet oder den Druck konvertiert speichern. Auf der anderen Seite können Bilder auch anhand von Geolocations Orten zugewiesen werden, Eure Bilder aus Facebook oder Picassa importiert und verwaltet werden und eben noch vieles, vieles mehr rund um die Bildverwaltung.

Die Neuerungen in der Übersicht

In der gerade erschienenen Digikam Software Collection 4.1.0. sind viele Verbesserungen hinzu gekommen:

  • Ein großer Fortschritt wurde bei der Gesichtserkennung- und Management erzielt.
  • Wenn Bilder oder gar ganze Alben mit GPS Daten versehen sind, dann ist dies nun besser anhand von entsprechenden Icons ersichtlich
  • Die Thumbnails unterstützen nun auch hochauflösende Monitore besser.

Wer also ein Bildverwaltungs- und Bearbeitungstool sucht und nicht unbedingt gleich zur Adobe Creative Cloud greifen möchte, ist hier bestens aufgehoben. Vorrangig wurde das Tool unter Linux entwickelt, allerdings gibt es hier natürlich auch verschiedene Downloads für Apple MAC OS und Windows Betriebssysteme.

Digikam eine kleine Übersicht von Anfang an

Installation und Aufruf sind denkbar einfach. Nach dem Download des knapp 170MB kleinen Paketes – je nachdem ob man unter Windows, Linux oder MacOS arbeitet – und der Anpassung der Arbeitsverzeichnisse kann es auch schon losgehen.

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Beim ersten Aufruf erscheint eine Auswahlmaske unter der man das erste Arbeitsverzeichnis aufruft unter dem die zu bearbeitenden Bilder liegen. Dies kann natürlich jederzeit geändert werden.

Danach erscheint der der Digikam Browser in dem man eine Übersicht der Bilder angezeigt bekommt und noch weitere Details.

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Hier kann auch schon eine Art Vorauswahl Mithilfe der Sternchen unter dem jeweiligen Bild getroffen werden. Hier kann man z.B. festlegen ob das Bild gut ist, ob es noch bearbeitet werden muß oder ob es nicht in die engere Auswahl kommt.

Danach gibt es oben im Menu mehrere Möglichkeiten weiter vor zu gehen:

Image Editor: Hier können dann die Bilder im einzelnen bearbeitet werden. Also Dinge wie Bild drehen, Helligkeit und Kontras, Kurven, Weißabgleich, Freistellen, Farbanpassungen, Rauschreduzierung, Vignettierkorrektur und noch einige weitere Effekte sind hier möglich.

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Lighttable: Hier ist ein Vergleichen von Bildern nebeneinander möglich. Dies ist dem früher gebräuchlichen Sichttisch nachempfunden auf dem man sich die Bilder gemeinsam anschauen kann um z.B. Metadaten und Stimmungen oder wenn man auf einer Party kurz hintereinander zwei oder mehr Fotos von einer Szene gemacht hat das „bessere“ heraussuchen zu können.

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Batch Que Manager: Hiermit können mehrere Prozesse wie z.B. das automatische Verkleinern von Bildern, dann ein zusätzlicher Weißabgleich und nach schärfen und das speichern der neuen Bilder in einem anderen Verzeichnis oder eben andere Anpassungen automatisiert durchgeführt werden.

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Import: Hier können die Bilder direkt von der Kamera oder einem Scanner in das Programm geladen und verarbeitet werden.

Die Bedienung des gesamten Tools ist ähnlich wie bei Adobe Lightroom, wenn auch einige Schritte eben ein bisschen anders aufgebaut sind. Allerdings wird hier auch mit einem Katalog gearbeitet und man kann eben alle nur erdenklichen Einstellungen im Editor – welcher mit dem entwickeln Module bei Adobe Lightroom vergleichbar ist – machen.

Vom Workflow her wird man sich eben den Ordner mit all seinen Bildern einer Veranstaltung oder eines Fotoshootings in Digikam laden, anhand einzelner Bilder festlegen wie die Bilder noch nachbearbeitet werden sollen, die Besten aussuchen und dann das ganze per BatchQue (Stapelverarbeitung) über die vorab ausgewählten Bilder ablaufen zu lassen und das Ergebnis dann in einem neuen Ordner ablegen. Diese kann man sich dann z.B. auch mit der eingebauten SlideShow anschauen oder sich das Ganze nochmal auf dem Sichttisch im Detail anschauen.

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Als Schmanckerl kann man noch seine Bilder die mit Geodaten ausgestattet sind, das heißt bei denen man z.B. im Smartphone oder der Kamera angegeben hat, das die Geolocation Daten mit in den EXIF Daten abgespeichert werden sollen, in einer Darstellung ähnlich wie bei google-earth anschauen und sehen wo auf der Welt das Bild gemacht wurde.

Wie hier bereits zu erahnen gibt es viele Möglichkeiten dieses Tool Produktiv einzusetzen und so wird es sicher noch mehrere Artikel hierzu geben wie man hiermit im Detail umgehen kann. Wer hierzu Wünsche hat kann sich gerne an mich wenden ich werde dann versuchen die Anregungen und Fragen einzubauen.

Links:

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8 comments

  • Finde ich gut, dass ihr OSS vorstellt. Aber zu einer echten Alternative zu LR wurde digiKam für mich noch nicht.

    • Hi Ben,
      sehe ich auch so, da Lightroom einfach super intuitiv ist.

      Aber wer weiß wie weit sich diese Open Source Alternative noch entwickelt.

      Viele Grüße
      Martin

      • Ich hoffe, dass sie sich fleißig weiterentwickeln. Denn sie sind bereits jetzt schon eine tolle Alternative für die, die kein Zugriff auf LR und Co haben.

    • Ich verwende digiKam als Fotoverwaltungstool, dafür ist es wirklich sehr gut geeignet. Der Funktionsumfang hat sich in den letzten Jahren sehr stark erweitert (sehr umfangreiche Möglichkeiten Metadaten zu pflegen, Tagging, Geodaten, umfangreiche Filter, Gesichtserkennung, suchen nach Bildattributen wie Formen und Farben, etc.).

      Für die Bildbearbeitung verwende ich jedoch nur selten den digiKam-eigenen Bildeditor, auch wenn dieser inzwischen gut mit RAWs umgehen kann.

      Für die Bildbearbeitung empfehle ich dringendst darktable (http://www.darktable.org/) in Kombination mit GIMP (http://www.gimp.org/), G’MIC (http://gmic.sourceforge.net/), Photivo (http://photivo.org/) und RawTherapie (http://rawtherapee.com/).

      Ich schau mir Lightroom periodisch immer wieder mal an – lande schlussendlich dann aber immer wieder bei den oben genannten Tools ;-)

      • Kannst du was zu deinem Flow schreiben? Ich stelle mir gerade vor, dass man mehr zwischen dem Importieren zwischen den Programmen zeit verliert, als wirklich so gut arbeiten zu können.

        • Mein Workflow ist eigentlich ziemlich straightforward:
          – Fotos schiessen, immer als RAW und JPEG
          – Import der RAWs und JPEGs in digiKam über die Import Funktion, entweder über das „Cameras“ Modul oder über das „Mass Storage Devices“ Modul in eine „Import Queue“, worin ich alles ablege, was ich noch einsortieren muss.
          – Einsortieren in eine ordnerbasierte Ablage (Die Fotos liegen bei digiKam als normale Dateien in einem Verzeichnisbaum, also keine Datenbank, wobei zu sagen ist, dass digiKam für die Collection eine SQLite Datenbank anlegt, in der Daten gespeichert werden, welche nicht in den Metadaten der Bilder abelegt werden können)
          – Vorselektieren für Auschuss etc. (Picksystem von digiKam), Taggen (Tagsystem von digiKam), Bewerten (Ratingsystem von digiKam), Kommentieren (Metadaten, wahlweise direkt in die EXIF Daten der JPEGs und RAWS oder per Sidecar Files im applikationsübergreifenden XMP Format), Kategoriesieren (Colorsystem von digiKam) und allenfalls umbenennen der Bilder nach verschiedenen Kriterien.
          – Bearbeiten der Bilder, vorzugsweise mit darktable.

          Das ganze erfolgt in digiKam sowie in darktable absolut nondestructive, d.h. die Rohdaten werden nicht angefasst. Alle Bearbeitungen werden lediglich als Metadaten abgelegt.

          Das schöne an der ganzen Sache: digiKam und darktable arbeiten perfekt miteinander zusammen. So kann ich z.B. in digiKam ein RAW File zum Bearbeiten mit darktable öffnen, bearbeiten und wieder speichern. Die sidecar Files, in denen nun alle Bearbeitungen abgelegt sind werden in digiKam völlig transparent gehandelt. Wenn ich ein Bild in digiKam z.B. verschiebe, werden die sidecar Files im Hintergrund mitverschoben. Auch tags oder andere Metadaten werden übergreifend in digiKam oder darktable angezeigt.

          Für die die darktable noch nicht kennen: Das ist wirklich ein sehr starkes Tool!

      • Hi Raimo,
        danke fürs zeigen der Tools. Darktable kannte ich z.B. noch gar nicht.

        Ich persönlich bin gespannt was Lightroom 6 so für Funktionen für uns bereit halten wird :)

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